Innovation

Schlüsselfragen

  • Haben Sie den Begriff Innovation aufgeschlüsselt und die damit verbundenen Erwartungen geklärt?
  • Wie gehen Sie mit der Unvorhersehbarkeit von Innovation um?
  • Wie bereit sind Sie und Ihre Organisation für Innovation?

Definition / Verständnis

Innovation bezeichnet die mit technischem, sozialem und wirtschaftlichem Wandel einhergehenden Neuerungen. Es liegt jedoch keine allgemein akzeptierte Begriffsdefinition vor; ebenso ist Innovation geprägt vom jeweiligen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und auch wissenschaftlichem Umfeld.

Allen Definitionsversuchen gemeinsam sind diese Merkmale [1]:

  • Neuheit oder (Er-)Neuerung eines Objekts oder einer sozialen Handlungsweise, mind. für das betrachtete System
  • Veränderung bzw. Wechsel durch die Innovation in und durch die Unternehmung, d.h. Innovation muss entdeckt/ erfunden, eingeführt, genutzt/ angewandt und institutionalisiert werden.

Innovation ist somit immer mit Wechsel/ Change verbunden; dieser wiederum kann radikal im Sinne der Einführung eines komplett neuen Prozesses/ Produktes oder schrittweise im Sinne von Anpassungen existierender Abläufe/ Produkte erfolgen.

Bezogen auf den Bau von Spitalimmobilien sind insbesondere Innovationen mit Auswirkung auf die Infrastruktur von Bedeutung. Diese wirken sich sowohl auf die Kern-, als auch auf die Supportprozesse aus, ausgelöst insbesondere durch medizinischen und technischen Fortschritt.

Herauskristallisierte neuralgische Punkte

Innovationsbegriff im Spital
Die grosse Bandbreite der Kern- und Supportprozesse im Spital spiegelt sich im Thema Innovation wider. In allen Sichtweisen der Befragten wird Prozessinnovation als besonders relevant bewertet. Dabei ist eine Verbesserung des Status quo zu erreichen. Dies bedingt eine Analyse des Status quo, damit zusammen mit Wissen zu den jeweiligen Prozessen realistisches Innovationspotential entdeckt wird.Sprechblase Innovation1Dazu stellt sich die Frage, ob sich der Status quo als Grundlage eignet, da sich die gegebenen Umstände mit einem Neu-/Umbau der Spitalimmobilie per se ändern.

Die Befragten sind sich auch einig, dass grundlegende Innovationen selten selbst initiiert werden. Vielmehr werden existierende Lösungen, wie „best practices“ aus dem Ausland, bezogen auf die eigenen Gegebenheiten geprüft und realisiert. Innovation hat bezogen auf einzelne Spitalbetriebe somit einen individuellen Charakter.Sprechblase Innovatino2Im Zusammenhang mit den Dimensionen der Innovation wird zudem mehrfach erwähnt, dass dabei oft an radikale Neuerungen gedacht wird und einfache, jedoch effektive Anpassungen leicht übersehen bzw. nicht als Innovation beachtet werden. Bezeichnend ist folgendes Zitat:Sprechblase Innovatino3Die Subjektivität des Innovationsbegriffs ist aufgrund der verschiedenen involvierten Sichtweisen klar vorhanden und kann zu Friktionen führen.

Unvorhersehbarkeit der Innovation für Projekte im Gesundheitswesen
Vorteile und Auswirkungen von Innovation beinhalten einen Anteil an Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit. Dieser wird mit unterschiedlichen Innovationszyklen und fehlenden Erfahrungen im Schweizer Kontext begründet. Die Möglichkeit, Innovationen auf eigene Rahmenbedingungen real zu prüfen, ist oft nicht gegeben; auch die Fortschritte von Simulationen in der Planungsphase können diese Herausforderung nicht auflösen. Dies kann sich auf die „Innovationsfreudigkeit“ negativ niederschlagen. So wird erwähnt, dass Neubauten
nicht per se innovativ sein müssen:Sprechblase Innovation4So gesehen kann es auch eine Strategie sein, unberechenbare Innovationen nicht explizit herbeizuführen.

Als eine Handlungsweise, um dieser Unberechenbarkeit entgegenzuwirken, wird vielfach „Flexibilität“ genannt:Sprechblase Innovatino5Bezogen auf Prozessinnovationen wird auch mehrfach darauf hingewiesen, wie wichtig die Phase deren Einführung ist – dies soll möglichst schon vor dem Übergang in die neue Umgebung geschehen, um somit deren Nachhaltigkeit zu fördern.

Bereitschaft für Innovation im Spitalprojekt
Innovation bedeutet immer, berechenbare, etablierte Abläufe und damit Sicherheit zu verlassen und diesSprechblase Innovatino6Voraussetzung, um Innovation zu erkennen, ist die stete kritische Hinterfragung bestehender Strukturen auf deren Optimierung – was im Zuge der Planung von Spitalimmobilien in verdichteter Form stattfindet und bedingtSprechblase Innovatino7Diese Denkweise kommt bei der Planung von Spitalimmobilien ganz explizit zum Tragen; doch es wird mehrfach darauf hingewiesen, dass diese auch in laufenden Betrieben zu institutionalisieren sei, um zu entscheiden, was davon sich für die eigenen Gegebenheiten kurz-, mittel- oder langfristig eignen könnte. Dazu beispielhaft folgende Aussage:Sprechblase Innovatino8Der Anstoss bzw. die Institutionalisierung dieser Denkweise und damit auch das Management von Wissen zur Innovation wird als Führungsaufgabe deklariert – sowohl auf strategischer, als auch auf operativer Ebene.

Herausfiltern lässt sich die Gefahr einer „Innovationsdiffusion“: Bezogen auf die Projektorganisation sei nicht immer klar, ob spitalinterne oder externe Planungspartner die treibende Kraft für Innovationen sind oder sein sollten.

Kernaussage
Die Relevanz der Innovation für zukunftsfähige Immobilien im Gesundheitswesen ist unbestritten. Die Herausforderung liegt im Zugang zu Innovationsmöglichkeiten bzw. deren Adaptierung auf die spezifischen Gegebenheiten der jeweiligen Planungsprojekte.

Handlungsempfehlungen

Innovationsbegriff im Spital
Thematisieren Sie, wie bei Ihnen Innovation verstanden wird bzw. welche Erwartungen damit verknüpft sind.

  • Innovation in Planungsprojekten von Spitalimmobilien ist keineswegs ein homogener Prozess. Schlüsseln Sie daher die Innovationsziele in Ihrem Projekt auf und machen Sie die unterschiedlichen Ziele der einzelnen Innovationsrichtungen deutlich.
    Durch die Aufschlüsselung der Teilaspekte von Innovation wird auch klar, dass die Entscheidungen für die Umsetzung von Innovation stets eine Summe abgewogener Kompromisse ist.
    Beispiele einer möglichen Aufschlüsselung von Innovationszielen bei Projekten im Gesundheitswesen sind:

[a] Medizinische Innovation: (z.B. Fortschritte in Diagnostik und Behandlung)
[b] Technische Innovation: (z.B. durch Automatisierung / Beschleunigung von Prozessen)
[c] Innovation im Erlebnisumfeld des Patienten: (z.B. heilungs- und komfortfördernde Massnahmen)
[d] Innovation im Arbeitsumfeld der Mitarbeiter: (z.B. aus arbeitsmedizinischer Sicht)
[e] Ökonomische Innovation: (z.B. durch Massnahmen zur Steigerung der Effizienz)
[f] Gesundheitspolitische Innovation: (z.B. durch Anreize in der Vergütungsstruktur)

Durch die Aufschlüsselung und Zuordnung der Innovationsziele zu einzelnen Themen werden schnell die Gegensätze und Widersprüche deutlich.

Auf dieser Grundlage können Sie nun einen Harmonisierungsprozess einleiten. Der ermöglicht, die unterschiedlichen Innovationsziele in einem Kompromiss zu einem „Entwicklungsentscheid Innovation“ zusammenzufassen.

  • Wägen Sie die unterschiedlichen Innovationsziele gegeneinander ab und bilden Sie eine Grundlage für den „Entwicklungsentscheid Innovation“.
  • Stellen Sie klar, aufgrund welcher Rahmenbedingungen der in Ihrem Projekt gefundene Innovationskompromiss begründet werden kann.
  • Verdeutlichen Sie die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen Ihres
    „Entwicklungsentscheids Innovation“.
  • Wo steht Ihr Spital bezogen auf derzeitige ‚State-of-the-art’ Lösungen? – Definieren Sie dies bezogen auf Ihr Planungsprojekt.
  • Zeigen Sie auf, welche Elemente im „Entwicklungsentscheid Innovation“ von strategischer Bedeutung für den (mittel- und langfristigen) Erfolg Ihres Spitals sind.
  • Innovation ist Führungsaufgabe strategischer und operativer Art. Wo wird Innovation bzw. wo werden innovative Ideen und Konzepte gefordert bzw. wer ist dafür verantwortlich? Definieren Sie diese Führungsaufgaben in Ihrer Organisation.

Unberechenbarkeit der Innovation für Projekte im Gesundheitswesen
Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass die Zyklen technischer Innovation kürzer werden. Dies führt unter anderem zu Auswirkungen bei den Betriebsabläufen, Kosten, technischen Rahmenbedingungen bis hin zu den baulichen Anforderungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass bisher gültige betriebsorganisatorische und räumliche Entscheidungen (wie zum Beispiel eine klare Trennung zwischen Diagnostik und Intervention) durch neue, übergreifende Verfahren zukünftig vernetzte betriebliche Strukturen benötigen können. Dies hat fundamentale Veränderungen im Gesamtgefüge des Spitals zur Folge.

Aufgrund dieser zunehmend unberechenbaren Parameter wird empfohlen, insbesondere Bereiche mit hoher zu erwartender Innovation möglichst flexibel zu gestalten. Stellen Sie sicher, dass Ihre aufgeschlüsselten Innovationsziele bzw. die Parameter der so entdeckten Innovationsmöglichkeiten bezüglich Flexibilität geprüft werden.

Bereitschaft für Innovation im Spitalprojekt
Innovation ist komplex, nicht zuletzt durch die enorme Menge an dynamischem Wissen und Informationen, welches es zielgerichtet abzurufen gilt: Wissensmanagement ist zentral um dies zu ermöglichen.
Definieren Sie für Ihre Organisation, wie Innovation bezogen auf die unterschiedlichen Innovationsziele entdeckt wird, damit eine konkrete Grundlage zur Prüfung und ev. Einführung vorhanden ist.

Abhängigkeiten / Querbeziehungen zu anderen zentralen Themen

  • Planungsgrundlagen - Da darin ein wesentlicher Teil des Innovationspotentials festgelegt wird, ist der Aspekt der Innovation in diesen Unterlagen explizit mit zu berücksichtigen. Dies beinhaltet, dass sowohl die zukünftigen Kern- als auch die Supportprozesse für den Betrieb definiert sind, damit diese auf Innovationsmöglichkeiten überprüft und dabei entsprechend aufeinander abgestimmt werden können.
  • Strategische Planung - Da hier der mögliche Spielraum für kurz-, mittel- und langfristige Entwicklung festgelegt wird. Fehlt eine strategische Planung, gibt es auch nur sehr begrenzt Raum für Innovation.
  • Projektmanagement – worin die oben genannten Handlungsempfehlungen verankert werden müssen.

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Weiter Themen der Handlungsempfehlungen:

Quellen

[1] Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Innovation, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54588/innovation-v10.html